Zusammenfassung in Stichworten von

Alexander Markowetz: Digitaler Burnout

1. Befund

Seit 2014 untersucht Alexander Markowetz(„M.“) Smartphone-Nutzung mit Hilfe einer App. 2015 bereits Zugriff auf Nutzverhalten von 300 000 Teilnehmern. Ergebnis:

  • Nutzung 88 Mal am Tag, davon
    • 35 Mal kurz (Uhrzeit nachschauen oder prüfen, ob Mail da ist)
    • 53 Mal interaktiv
  • Nutzung ist kaum abhängig von Alter, Bildungsstand, sozialer Schicht.
  • Nutzungsdauer 2,5 Stunden/Tag (Jugendliche: 3h/d), davon
    • 7 Min. Telefonieren
    • 10 Min. Tools
    • 5, 15, 35 Min für Instagram, Facebook, WhatsApp
    • 30 Min Spielen

Inzwischen sind 70% der Smartphone-Nutzer von Nomophobie (No-Mobilephone-Phobia) betroffen.

2. Abhängigkeit

Glücksspielforschung: Dopaminausschüttung schon durch Erwartungshaltung, dass man gewinnen könnte. Beim Checken der Mails erwartet man nicht, dass immer etwas Wesentliches dabei ist, sondern prüft nur, ob vielleicht diese Mal eine wichtige Mail gekommen ist. Smartphone hat viele unterschiedliche – sofort verfügbare - Apps, die Anreize anbieten („Desire Engine“), die Belohnung erfolgt sofort („Instant Gratification“). Das erhöht die empfundene Nützlichkeit.

3. Flow

Nach 15 Minuten Konzentration auf eine Tätigkeit stellt sich „Flow“ ein. In diesem Zustand sind wir besonders leistungsfähig und produktiv. Durch Smartphone unterbrechen wir diesen „Flow“. Gegenmaßnahme: Zeitmanagement-Techniken wie die „Pomodoro-Techik“

4. Multitasking

Gehirn kann kein Multitasking, sondern führt Aufgaben im raschen Wechsel durch. Geeignet ist der Wechsel zwischen zwei Aufgaben, die in je einem der beiden Frontallappen verarbeitet werden. Zusätzliche Aufgaben verursachen Stress. Die Produktivität sinkt. Smartphones trainieren ein Aufmerksamkeits-Störung an (bei Spitzer „Digitale Demenz“, bei Hallowell Attention „Deficit Trait ADT“) die in den „Digitalen Burnout“ mündet.

5. Fehlende Pausen

Glücksforschung benennt Flow und Müßiggang als zwei Voraussetzungen für „Glück“. Pausen sind wichtig für Kreativität und Verarbeitung (im Hirn sortieren sich in einer Pause die Synapsen neu). Smartphones trainieren Unachtsamkeit und machen Erholung schwerer. Die Ansicht, ein Mehr an Möglichkeiten mache den Menschen glücklicher, hat sich als Irrtum herausgestellt, denn mit jeder Wahl verzichten wir auf die Alternativen - es macht uns unzufrieden, dass wir diese nicht auch nutzen können.

Hier sind Maßnahmen beschrieben wie:

  • Nutzungszeiten einrichten,
  • Smartphone-freie Zonen,
  • bessere Aufklärung in Ausbildung,
  • Abschirmung von übermäßiger digitaler Belastung durch Arbeitgeber,
  • Apps, die auf hohe Nutzung hinweisen

usw.

Prokrastination

Geduld üben. Mangelnde Geduld vermindert die Motivation zur Erledigung von Aufgaben:
Motivation oder Nützlichkeit = (Erwartung x Wert) / (Geduld x Dauer) (Piers Steel)

Kommunikationsverhalten

Digitales Angebot ist stark angewachsen. Nutzung in drei Stufen:

  1. zuerst: alles, was es gibt (Fernseher mit 3 Programmen)
  2. später: nur das Gute
  3. heute: Regeln zur Auswahl aus dem Guten, weil Überangebot

Analyse, welche- und wie viel - Kommunikation unserem Geist zuträglich ist. Weil unser Verhalten überwiegend irrational gesteuert ist, zur Umsetzung Techniken wie „Nuding“ (geführte Entscheidungsfindung) nutzen: Smartphone an schlecht erreichbarer Stelle aufbewahren → Aufwand erhöht → Motivation geringer.

Digitaler Präsentismus

Gefahr: Andauernde Präsenz zeigen, auch durch unwesentliches Kommentieren. E-Mail-Flut in den Betrieben ist überwiegend „heiße Luft“. Regulierung etwa bei Daimler, Telekom, VW, die die Interessen von Arbeitgeber UND Arbeitnehmer schützen. Symptom: Es gibt viel Ratgeberliteratur, um Ballast zu entfernen und ein bewussteres Leben zu führen.

Erziehungsziele (Eltern, Schule)

Umgang mit IT lernen, mit immer neuen Angeboten klar kommen, Nutzung verweigern lernen. Aufmerksamkeit und Soft Skills fördern.

  • literatur_markowetz
  • Zuletzt geändert: 23.04.2018 19:47.